Gestern hatten wir davon berichtet, dass ARD und ZDF als Reaktion auf das erneute mögliche Dopingvergehen eines Sportlers, die Berichterstattung zur Tour de France mit sofortiger Wirkung eingestellt habe.
Einen Tag später wird diese couragierte Entscheidung konterkariert. Die ProSiebenSat1-Gruppe übernimmt die Übertragung des größten Radsportereignisses der Welt und signalisiert somit allen Fahrern: “Ob gedopt oder nicht gedopt - wir berichten weiter von eurem Sport und finanzieren damit euren Betrug am Zuschauern”.
Ich bin in der Regel kein großer Fan von ARD und ZDF, aber die Entscheidung gestern hat mir imponiert. Der Verzicht auf Quote um damit ein Zeichen für Ehrlichkeit und Anstand zu setzen, verdient Respekt. Von daher kann ich Äußerungen - wie etwa von Jens Voigt - nicht verstehen, die der Meinung sind, dass damit auch niemanden geholfen wäre. Ganz falsch sage ich: “Wenn keine TV-Gelder mehr in den Radsport fließen würden, dann gebe es auch keine Sponsoren und damit für die Radsport-Teams keine Gelder und jeder Radfahrer müsste sich überlegen, wie Doping so finanziert werden kann und ob es damit überhaupt noch Sinn macht. Dies wäre der richtige Schritt und das richtige Zeichen. Aber die ProSiebenSat1-Gruppe schert sich um solche Nebensächlichkeiten nicht - Quote muss her, egal wie. Außerdem sorgt diese Nachricht dafür, dass die bevorstehenden Massenentlassungen aus der Presse verschwinden. Bravo Sat1.
via: SpOn













2 responses so far ↓
1 little.john // Jul 19, 2007 at 16:26
Die Entscheidung von P7S1 finde ich nur logisch und ehrlich gesagt begrüße ich sie sogar.
Wen bestraft man denn seitens der ARD und dem ZDF mit der Abschaltung? Den Radsport? Wohl weniger. Den Zuschauer? Genau den - und das alles gebührenfinanziert.
Hat ja keiner was dagegen, wenn sich beide Sender kritisch mit dem Thema Doping im Radsport auseinander setzen, aber einen eigenen kleinen Kampf aufzunehmen halte ich doch für übertrieben.
Außerdem ist gerade die ARD auch nicht schuldlos bzw. unbeteiligt an der ganzen Geschichte. Schließlich war sie jahrelang auch Sponsor beim Team Telekom bzw. bei T-Mobile (finanziert u.a. durch Gebühren) und hat Fahrer hochleben lassen (die sich im Endeffekt gedopt haben).
Jetzt spielt sich besonders ein Claus Lufen als Moralapostel auf (gesehen beim Prolog), dabei sollten die Sender doch mal konsequent ihre eigene Politik hinterfragen. Konsequent und couragiert wäre gewesen, gar nicht erst die TdF zu übertragen und auf die entsprechende Quote zu verzichten, aber erst mal anzufangen, sich der Illusion hinzugeben, dass jetzt alles sauber ist und dann einen Rückzieher machen, das ist der falsche Weg.
Da lob ich mir Eurosport, die zwar etwas unkritisch das Doping fast tabuisieren, aber wenigstens den Sport in den Vordergrund stellen und das Rennen übertragen.
Das hätte ich mir auch von ARD/ZDF gewünscht - Hintergrundberichte, Enthüllungsjournalismus und Aufklärungsversuche hätte man rund um die Übertragung platzieren können - dass der Zuschauer das sehen möchte, hat man ja gesehen.
2 media-mirror // Jul 19, 2007 at 16:35
Hi Little John. In dieser Beziehung sind wir nicht einer Meinung. Ich denke einfach, das es besser ist, den dopenden Fahrern und Teams (ja ich bin überzeugt, das auch Unterstützung aus den Teams kommt) die finanziellen Mittel zu entziehen. Sobald das passiert kommt es eventuell zu einem heilsamen Schock. Ist dieser vorbei, kann man darüber nachdenken, wie es weitergehen soll.
Recht gebe ich Dir damit, dass ARD und ZDF von Beginn an auf die Berichterstattung hätten verzichten sollen. Das wäre noch konsequenter gewesen. Aber eine fortgeführte Berichterstattung bringt den Teams und Fahrern Gelder ein, die sie nicht verdient haben. Daher sehe ich darin zwar eine ungerechte Lösung - für die handvoll ungedopten Fahrer, die es eventuell gibt - aber auch notwendige Lösung an. Und Eurosport mit ihrer Herangehensweise an das Thema finde ich bäh :-)
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