Mittlerweile scheinen sich die Tagesthemen häufiger mit Online- und Internetthemen zu beschäftigen. Nachdem erst vor ein paar Wochen ein Beitrag über Web 2.0 mit einem Expertenbeitrag meines Dozenten Steffen Büffel bei den Tagesthemen lief , nahm sich die Tagesthemen am Dienstag Abend dem Online-Spiel der Online-Community Second Life (SL), die von Linden Lab entwickelt wurde, an.
Bei Second Life handelt es sich um ein sogenanntes Massive Multiplayer Online Game (kurz MMOG) bei dem sich die Mitspieler in einer virtuellen Welt mittels Avataren (hier eine kurze Erklärung darüber für Frau Will bei Wikipedia) - also der eigenen Identitat im virtuellen Leben - bewegen können. Im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Online-Spielen bietet SL vielfältige Möglichkeiten Gegenstände und Gebäude zu erschaffen, die mit der spieleigenen Scriptsprache LSL umgesetzt werden. Bei dem Spiel geht es vor allem um die soziale Interaktion zwischen den Spielern und die Erstellung von Inhalten. Allerdings sind auch weitere Spiele-Möglichkeiten bis hin zum Third-Person-Shooter integriert. Natürlich kann man in SL auch kaufen und verkaufen. Dafür wird eigens eine eigene Währung geschaffen, der Linden Dollar. Damit lassen sich Land und Gegenstände von anderen Spielern kaufen.
Inzwischen ist die Community und auch die damit verbundenen kommerziellen Möglichkeiten so gewachsen, dass es sich auch immer mehr Firmen nicht nehmen lassen eigene Shops in SL zu schaffen und dort ihre virtuellen Produkte zu vermarkten. Von den schicken virtuellen Sportschuhen bis hin zu der eigenen Bild-Ausgabe sind der Fantasie dort keine Grenzen gesetzt. Auch immer mehr Privatbürger schaffen sich eigene Existenzen in SL, sowohl privat als auch wirtschaftlich. Das Ganze soll sogar bei einigen soweit gehen, dass sie ihre realen Jobs gekündigt haben, um künftig ausschließlich in SL zu arbeiten und Geld zu verdienen. Dafür werden dort auch eine Reihe von Jobs angeboten. Ob als Tänzerin in einem Nachtclub, Model für Modenschauen, wie im richtigen Leben ist die Auswahl an verfügbaren Arbeitsplätzen riesig groß. Im Moment ist Second Life allerdings noch stark von englischsprachigen Mitgliedern dominiert, weshalb man, um einen guten Job an Land zu ziehen, die Sprache einigermaßen gut beherrschen muss. Damit man von dem verdienten Geld dann auch etwas hat, wird inzwischen der Tausch der Linden Dollar in reale Währung angeboten. (Weitergehende Informationen findet man sehr gut aufbereitet bei Wikipedia.)
Fraglich bleibt nur, was Menschen so stark in eine virtuelle Welt zieht. Im Großen und Ganzen ist SL ja nur die Fortsetzung und Erweiterung bestehender virtueller Communities. Die Avatare ermöglichen den Spielern die Erschaffung von eigenen (neuen) Identitäten. Auch können verhaltensweisen und lebensweisen, die im realen Leben etwa auf Tabusierung oder Ablehnung stoßen frei ausgelebt werden. Dennoch bleibt die Verknüpfung zur realen Welt doch immer noch intakt, zumindest jeden Monat, wenn die Gebühren von der Kreditkarte abgezogen werden, oder neue Linden Dollar mit richtigen Dollar gekauft werden müssen.
gefunden via: PR Blogger














2 responses so far ↓
1 Sebastian // Nov 10, 2006 at 00:53
Die Medienmaschinerie ist angelaufen. Unter dem Titel “Die Welt ist nicht genug” hat die Süddeutsche auch am 07.11., somit vor den Tagesthemen, über Second Life und die Springer-Aktivitäten berichtet.
http://www.sueddeutsche.de/,panl3/kultur/artikel/792/90702/
Nachgezogen hat die Frankfurter Rundschau heute, unter dem Titel “Richtiges Leben im Falschen: Virtuelle Welten boomen im Internet”, allerdings mit freundlicher Unterstützung der DPA, deren Text ich schon am 08.11. gefunden habe.
http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/multimedia/aktuell/?em_cnt=1007049&
In diesem Sinne, warten wir auf Spiegel Online.
2 media-mirror // Nov 10, 2006 at 10:34
Hi Sebastian, schön dich hier zu sehen. Es scheint also nicht nur bei den Tagesthemen ein “In-Thema” zu sein. Aber hast du dir das Spiel/die Community SL mal angeschauen. Also für mich ist das schon ne ziemlich krasse Sache, wo die Grenzen zwischen virtuell und real für einige doch ziemlich stark verschwimmen.
Ich hatte mir dazu auch ein deutsches Forum angeschaut und war sehr erstaunt. Da gibt es einige Beiträge zum Thema Jobs: Einige bieten Jobs an und andere suchen Jobs, da das Geld wie im richtigen Leben natürlich immer knapp ist. Was für mich allerdings noch immer schwer zu verstehen ist, ist die Bereitschaft der Community-Mitglieder für virtuelle Gegenstände wie Autos oder Schuhe reales Geld zu bezahlen, das von der Kreditkarte abgebucht wird. Ich denke in der nächsten Zeit werden wir dann Berichte über die Suchtproblematik in SL und die damit verbundenen finanziellen Schwiergkeiten, in die einige Mitglieder geraten sind, lesen. Die Schulden müssen sie dann aber mit einem realen Job abarbeiten, in SL wird das dann nur schwer möglich sein.
Ich muss allerdings auch zugeben, dass ich nie verstanden habe, wieso Leute Geld für Klingeltöne und Handy-Bilder bezahlt haben. Von daher kann ich wohl auch nicht komplett mitreden.
Jetzt schon sichtbar wird außerdem, dass sich SL für Marketing in jeder Form bestens eignet, was ja durch die Firmen, die dort immer mehr aktiv werden, gezeigt wird. Zunächst wurde nur über Werbung in “normalen” Computerspielen diskutiert. Ich denke aber, dass Werbung in SL einen nicht zu vergleichenden Mehrwert bezogen auf die Marketingmöglichkeiten und die Kontaktmöglichkeiten bietet.
PS: Dein Beitrag ging leider aufgrund der Links darin in die Moderation :-)
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